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                               Im Zeichen der Versöhnung

Angela Merkel


 

Am Dienstag werde ich auf Einladung des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk nach Danzig reisen. Der Anlass dieser Reise ist der 70. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltkriegs. Am 1. September 1939 hatte Deutschland Polen – mit dem Angriff auf die Westerplatte – überfallen und damit den Zweiten Weltkrieg begonnen.

 

Dieser Krieg hat unendliches Leid über Europa und die Welt gebracht. Er hat 60 Millionen Menschen das Leben gekostet. Er hat die europäische politische Ordnung für Jahrzehnte bestimmt. Und deshalb ist es richtig und wichtig, dass wir an diesen Jahrestag denken, und deshalb ist es auch ein Zeichen der Versöhnung, dass Donald Tusk mich als deutsche Bundeskanzlerin zu diesem Gedenken eingeladen hat.

 

An dieser Gedenkveranstaltung werden politische Repräsentanten aus vielen Ländern teilnehmen. Ich nenne hier nur den Ministerpräsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, genauso wie den Ministerpräsidenten Frankreichs, François Fillon, oder den britischen Außenminister.

 

Wir alle werden heute nicht mehr als Feinde zusammenkommen, sondern als politische Partner und Freunde. Und das ist es, was mich als deutsche Bundeskanzlerin mit besonderer Dankbarkeit erfüllt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, nach der Befreiung Deutschlands durch die Alliierten, ist es möglich geworden, dass wir ein neues Kapitel der Geschichte aufgeschlagen haben.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland viel Unterstützung und Partnerschaft erfahren.Ich erinnere hier an den Marshall-Plan der Vereinigten Staaten von Amerika, der ein Signal für den Wiederaufbau Deutschlands, aber auch anderer europäischer Nationen setzte. Ich erinnere an das Kapitel der deutsch-französischen Versöhnung und ich erinnere daran, dass Deutschland die Tür geöffnet wurde, um als Partner in der NATO und in der Europäischen Union mitzuarbeiten.

 

Dies alles galt aber nur für einen Teil Deutschlands. Der andere war Teil des Kalten Krieges und des Systems der kommunistischen Diktatur. Jahrzehnte hat es gedauert, bis der Kalte Krieg überwunden werden konnte, und deshalb denken wir am 1. September auch daran, wie uns Deutschen – und insbesondere den Deutschen in der ehemaligen DDR – der Weg zur Friedlichen Revolution gezeigt wurde: durch den Aufstand in Ungarn 1956, durch den Prager Frühling 1968, durch die Existenz von Solidarność und die Arbeit, die

Solidarność geleistet hat.

 

Heute sind wir alle in der Europäischen Union und in der westlichen Bündnisgemeinschaft, der NATO, miteinander vereint. Wir arbeiten zusammen als Partner und Freunde, wir setzten uns ein für die Einhaltung der Menschenrechte auf der Welt und dafür, dass Terrorismus und neue Gefährdungen gemeinsam bekämpft werden können.

 

Deshalb ist der 1. September natürlich ein Tag der Trauer – ein Tag der Trauer über das Leid und auch ein Gedenken an die Schuld, die Deutschland durch den Beginn des Zweites Weltkriegs auf sich genommen hat. Aber es ist auch ein Tag der Dankbarkeit und der Zuversicht – heute gemeinsam als Freunde und Partner arbeiten zu können.

 

Deshalb freue ich mich darauf, dass ich nach Danzig eingeladen bin und freue mich darauf, mit meinen Partnern Diskussionen auch über die Zukunft zu führen.

 

 

 
   

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New Cuba Coalition
P. O. Box 14077
Washington, D. C. 20044-4077
Dr. Emilio-Adolfo Rivero — President
Ernesto Díaz-Rodríguez — Vice President
e-mail: cuba@idt.net