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             Pressestatement Bundeskanzlerin Merkel und    

            Bundesfinanzminister Steinbrück in Pittsburgh

 


 

Mitschrift Pressekonferenz

Fr, 25.09.2009

 

BK'in Merkel: Wir gehen jetzt in die Endberatungen hinsichtlich der Dokumente für den Gipfel von Pittsburgh. Ich habe den Eindruck, dass wir auf einem erfolgreichen Weg sind. Es deutet sich an, dass wir mit unserem Druck und unserem Nachdruck doch erreicht haben, dass die Regeln für die Finanzmarktarchitektur deutlich verbessert und konkretisiert wurden. Insofern, glaube ich, kann man von einem Erfolg sprechen, was gegenüber den Beschlüssen von London zusätzliche Regelungen anbelangt.
 
Dabei geht es zum einen um die Vergütungssysteme ‑ Stichwort Boni ‑, für die wir deutliche gemeinsame Maßstäbe festlegen werden, die dann auch umgesetzt werden müssen. Auch Begrenzungen von Boni werden ins Auge gefasst. Zweitens geht es um die Eigenkapitalausstattung von Banken, dann insbesondere auch im Zusammenhang mit der Frage, was passiert, wenn Banken in Schwierigkeiten geraten. Es darf nicht mehr passieren, dass sie Staaten erpressen können. Hierfür werden Vorkehrungen getroffen und auch vom Financial Stability Board ausgearbeitet.
 
Wir haben des Weiteren die Aufgabe vor uns, und das begrüße ich auch sehr, dass die amerikanischen und die europäischen Bilanzierungsregeln angeglichen werden. Es gibt zum ersten Mal das Bekenntnis, dass für systemische Banken auch die Amerikaner Basel II einführen werden. Das war ein Thema, das uns sehr beschwert hat, weil wir hierbei im Grunde keine gleichen Wettbewerbsbedingungen hatten. Insofern ist das also ein deutlicher Fortschritt. Wir können auch feststellen, dass die Beschlüsse von London Schritt für Schritt umgesetzt werden.
 
Zweitens, was ein nachhaltiges Wachstum anbelangt, sind wir auf einem Weg, auf dem verabredet werden wird, dass alle Gründe für wirtschaftliche Ungleichgewichte auf der Welt analysiert werden. Dazu gehören die Frage von Wechselkursunterschieden und die Frage von Defiziten, aber genauso auch die Frage von Export- und Importbilanzen. Ich begrüße, dass wir jetzt zwei Säulen haben, auf deren Basis gearbeitet wird, zum einen zukunftsfähige Wachstumspfade und auf der anderen Seite eine verbesserte Finanzmarktarchitektur.
 
Drittens ist hier am gestrigen Abend allgemein festgestellt worden, dass sich das G20-Format in den Zeiten der Krise bewährt hat und dass es zu einem Format weiterentwickelt werden soll, das in Form der 20 führenden Industrieländer sozusagen die ökonomische Regierung der Welt darstellt. Die Grundlage für die Zusammenarbeit wird eine Charta für nachhaltiges Wirtschaften bilden, an der auch in den nächsten Monaten weiterhin gearbeitet werden wird. Dies ist ein deutscher Vorschlag, und ich bin auch sehr froh, dass wir uns dem Grundsatz der nachhaltigen, dauerhaften Entwicklung verpflichtet fühlen.
 
Insgesamt gibt es also ein klares Bekenntnis dazu, die Lehren aus der Krise zu ziehen und die notwendigen Schritte zu gehen. Vieles musste mühsam verhandelt werden, aber ich glaube, es hat sich bewährt, dass Deutschland bereit war, hierbei ein dickes Brett zu bohren, und dass wir zusammen mit Frankreich viele Dinge auf die Tagesordnung gebracht haben. So deutet sich an, dass ich zufrieden nach Hause fahren kann.
 
BM Steinbrück: Ich glaube, man kann mit Fug und Recht und nicht aufgesetzt behaupten, dass das Signal, das von Pittsburgh ausgeht, ziemlich eindeutig ist: Die Staatengemeinschaft zieht weiterhin am selben Strang, einen neuen Rahmen für Aufsicht und Regulierung der Finanzmärkte zu finden. Das ist ein wichtiges Signal an diejenigen Finanzmarktteilnehmer ‑ egal wo sie sitzen ‑, die glauben, man könnte so weitermachen, wie man in diese Krise hineingekommen ist. Es gilt nicht nur das Prinzip, sondern es gelten konkrete Maßnahmen, damit jeder Finanzmarktteilnehmer, jedes Finanzmarktprodukt und jeder Finanzplatz einer Regulierung und Aufsicht unterworfen wird. Ich glaube, wir können zufrieden sein, dass es teilweise sehr konkrete und auch mit Zeitpunkten versehene Absprachen in den Felder gibt, die die Bundeskanzlerin genannt hat, weshalb ich dies aus Zeitgründen nicht wiederholen will.
 
Vielleicht können wir noch veranlassen oder einen Konsens darüber finden, dass auch mit Blick auf die Behandlung großer, systemrelevanter Banken mit einem Datum gearbeitet wird, bis zu dem insbesondere mit Hilfe des Financial Stability Board Spielregeln durchgesetzt werden. Andererseits werden wir uns auch auf der nationalen Ebene mit einem rechtlichen Rahmen dafür beschäftigen, wie wir mit großen, systemrelevanten Banken so umgehen, dass für den Fall, dass sie in Schwierigkeiten geraten, nicht als erstes der Steuerzahler dran ist.
 
Das bringt mich zu meiner letzten Bemerkung. Ich habe viele Gespräche geführt, wahrscheinlich ähnlich wie die Bundeskanzlerin, in denen (deutlich wurde, dass) die Fragestellung "Wer zahlt den Scheck?" doch eine weit verbreitete Debatte in den verschiedenen Teilnehmerländern und in ihren Gesellschaften ist. Fast alle sind der Frage ihrer Bürgerinnen und Bürger ausgesetzt, ob sie die Lasten einer Krise (tragen müssen), die andere verursacht haben. Diesbezüglich wird man nicht sehr schnell, aus der Hüfte, Lösungen verabreden können, aber ich bin doch einigermaßen optimistisch, dass dieses Brett weitergebohrt werden kann, bis hin zu einem Auftrag, dass der IWF, den ich für am besten geeignet halte, vielleicht einmal das Mandat der Staatengemeinschaft bekommt, dem G20-Kreis Vorschläge dazu zu machen, wie man weltweit mit einer Lastenverteilung umgeht.
 
Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass die Frage nach einem geeigneten Finanzierungsinstrument mit Blick auf die Kopenhagener Konferenz zum Klimaschutz eine gewisse Konjunktur bekommen könnte, weil diese Frage die G20-Staaten nicht weniger als diejenigen beschäftigt, die ich mit dem Hinweis "Wer trägt eigentlich die Lasten dieser Krise?" angedeutet hatte.
 
Zuruf: Mit Ihrer Transaktionssteuer sind Sie noch nicht richtig weitergekommen.
 
BM Steinbrück
: Alle reden darüber, und sie nehmen auch erkennbar diesen Begriff in den Mund, ohne sich mit Abscheu und Empörung abzuwenden. Aber es ist wahrscheinlich richtiger, zunächst einmal eine Debatte auf der Zielebene zu führen und nicht gleich auf die Instrumentenebene zu springen. Ich habe in den Gesprächen, die wir bisher haben führen können, festgestellt, dass eine Reihe von EU-Staaten dieses Thema genauso verfolgt wie wir auch. Übrigens hat dies auch der Kommissar Joaquín Almunia bereits selbst aufgegriffen, und auch der neue und alte Kommissionspräsident Barroso darf so verstanden werden. Allen ist natürlich bewusst, dass man das allein in nationalstaatlicher Reichweite nicht wird einsetzen können, weil es dann ein Gefälle gibt. Das heißt, es kommt darauf an, dass man, bezogen auf eine solche Finanzmarkttransaktionssteuer, weltweit große Spieler, die die wichtigsten Finanzplätze repräsentieren, mit im Boot hat.
 
BK'in Merkel: Es ist aber nicht das erste Mal, dass eine gute, neue Idee unter bestimmten Umständen auch Konjunktur bekommen kann, und gerade die Frage der Finanzierung des Klimaschutzes ist eine zentrale Frage. Wir haben dieses Thema jetzt hier eingebracht. Viele werden darüber nachdenken und sich damit beschäftigen. Ich sehe das Ganze nicht so düster, dass man sagen muss, man sollte das wieder einstellen. Das wird zwar ein dickes Brett, und das muss gebohrt werden, aber ich glaube, man kann dabei auch Erfolg haben.

 

 

 
   

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