BK'in Merkel: Meine Damen und Herren, ich freue
mich, dass uns heute der israelische Premierminister mit großen Teilen
seines Kabinetts im Rahmen der 2. Deutsch-Israelischen
Regierungskonsultationen einen Besuch hier in Berlin abgestattet hat. Das
erste Mal waren wir in Jerusalem zu Gast, dieses Mal finden die
Konsultationen hier in Berlin statt. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir in
intensive Beratungen eintreten konnten.
Diese Deutsch-Israelischen oder Israelisch-Deutschen
Regierungskonsultationen - wie immer man es auch betrachtet - bieten die
Möglichkeit, die Zusammenarbeit in ihrer gesamten Breite Revue passieren zu
lassen und zu intensivieren. Ich denke, dass es außerordentlich wichtig ist,
dass wir, ausgehend von der historischen Verantwortung, die Deutschland für
die Existenz und für die Zukunft Israels hat, immer wieder darum ringen,
nicht nur in den außen- und sicherheitspolitischen Fragen eng
zusammenzuarbeiten, sondern auch unsere bilateralen Beziehungen in der
gesamten Breite zu entwickeln.
Wir haben heute das Denkmal für die ermordeten Juden in der Mitte Berlins
gemeinsam besucht. Wenn man sich anschaut, was noch vor 65 Jahren die
Realität war und welche Schrecknisse der Holocaust entfaltet hat, so ist es
ein Glück, darf ich für meine Generation sagen, dass wir heute mit einer
israelischen Regierung so eng kooperieren können.
Ich darf aus voller Überzeugung sagen, dass ich glaube, dass dies
erfolgreiche Regierungskonsultationen waren. Die Minister aus den Bereichen
Umwelt, Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit, genauso wie aus dem
Bereich von Wissenschaft und Forschung haben uns sehr eindrücklich darüber
berichtet, welche gemeinsamen Projekte sie vorantreiben wollen. Ich will
hier nur erwähnen, dass es einen Innovationstag für israelische Unternehmen
in Deutschland mit dem Fokus auf mittelständische Unternehmen geben soll,
dass wir insbesondere auch in der wissenschaftlichen Zusammenarbeit neue
Projekte entwickeln wollen, dass hier aber bereits ein sehr dichtes Netz von
Kooperationen besteht, dass im Umwelt- und Entwicklungsbereich das Thema
Wasser und das Thema erneuerbare Energien eine zentrale Rolle spielen und (hinsichtlich
des Themas Wasser) israelische Fähigkeiten und Fertigkeiten mit deutschen
Erfahrungen zum Beispiel in der Entwicklungszusammenarbeit sehr gut
kombiniert werden können, um entweder gemeinsam mit den Palästinensern oder
aber gemeinsam mit afrikanischen Staaten Drittstaatenprojekte zu entwickeln.
Man kann sich dies genauso im Fall der erneuerbaren Energien, zum Beispiel
zwischen Deutschland, Israel und Ägypten, vorstellen. Man kann sich eine
sehr enge Kooperation bei neuen Wegen der Mobilität vorstellen. Die
Elektromobilität ist in ganz besonderer Weise auch ein Anliegen von Benjamin
Netanyahu und mir, das von den Wirtschaftsministern aufgegriffen wurde.
Ich sehe also der zukünftigen Kooperation in diesem gesamten Bereich von
Umweltschutz, Forschung, wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Innovation mit
sehr großen Erwartungen entgegen.
Naturgemäß waren unsere Gespräche auch von den Gesprächsinhalten der Außen-
und der Verteidigungsminister geprägt. Hierbei geht es auf der einen Seite
um die Bedrohung, die von dem Nuklearprogramm des Iran ausgeht. Wir haben
für die deutsche Seite deutlich gemacht, dass wir, wenn sich die Reaktionen
des Iran nicht verändern, an umfassenden Sanktionen mitarbeiten werden. Wir
wünschen uns natürlich, dass diese im Rahmen des UN-Sicherheitsrats
verabschiedet werden könnten. Hierzu werden in den nächsten Wochen die
Vorbereitungen getroffen. Sollte dies nicht möglich sein, wird sich
Deutschland aber auch gemeinsam mit Ländern, die das gleiche Ziel verfolgen,
an solchen Sanktionen beteiligen.
Wir haben dem Iran immer wieder Angebote für eine vernünftige Kooperation,
für eine transparente Kooperation gemacht. Leider ist der Iran bis heute
nicht darauf eingegangen, sodass wir die Notwendigkeit von Sanktionen immer
stärker ins Auge fassen müssen.
Deutschland hat ein elementares Interesse daran, dass der Friedens- und
Verhandlungsprozess im Nahen Osten in Gang kommt. Wir glauben - das eint uns
im Übrigen -, dass die Gegebenheiten dafür da sind und dass man das
Zeitfenster nutzten sollte. Es ist bekannt, dass sich Deutschland an einigen
Stellen, was den Stopp des Siedlungsbaus anbelangt, mehr von Israel erwarten
würde; aber wir erkennen auch an, dass Israel hier wichtige Schritte getan
hat. Wichtig ist vor allen Dingen, dass der Verhandlungsprozess jetzt wieder
in Gang kommt.
Ich habe für die Bundesregierung deutlich gemacht, dass wir alles, was
hilfreich ist, tun wollen, im Rahmen der Europäischen Union, in Kooperation
mit den Vereinigten Staaten von Amerika, wenn das gewünscht wird, aber vor
allen Dingen in Absprache mit Israel. Der Präsident der palästinensischen
Autonomiegebiete, Herr Abbas, wird Anfang Februar nach Deutschland kommen.
Wir werden auch dann in aller Deutlichkeit sagen, dass man die Gelegenheiten
nicht verstreichen lassen darf; denn ohne dass man miteinander spricht, wird
der Verhandlungsprozess keinen Erfolg haben. Ich glaube, dass es keinen
praktischen Wert hätte, schon bei allem zu wissen, wie es endet, bevor man
wieder ins Gespräch gekommen ist. Deshalb ist das der wesentliche Punkt.
Ich glaube, dass heute ein sehr erfolgreicher Tag für die
deutsch-israelischen Beziehungen war. Ich bedanke mich bei der israelischen
Regierung und ganz besonders bei dem Premierminister, dass er wieder einmal
zu uns nach Berlin gekommen ist. Wir haben unsere Gäste hier sehr herzlich
willkommen geheißen.
PM Netanyahu: Herzlichen Dank, Frau Bundeskanzlerin. Wir haben, wie Sie
gerade gesagt haben, ein sehr produktives Treffen und auch ein sehr
freundschaftliches Treffen zwischen unseren jeweiligen Regierungen
abschließen können. Ich glaube, das ist für uns etwas, bei dem wir in
gewisser Weise immer wieder Neues über das gesamte Spektrum von
Gemeinsamkeiten erfahren, das unsere Beziehung charakterisiert.
Das ist für mich ein sehr bewegender Moment, nicht nur wegen dem, was wir
hier in diesem Gebäude erleben durften, sondern auch wegen dem, was wir vor
gerade einmal einer Stunde hier im Herzen der Stadt Berlin sehen konnten.
Wir haben das Holocaust-Mahnmal gesehen, das ja wirklich im Herzen der
deutschen Hauptstadt gelegen ist. 65 Jahre nach dem Holocaust als
Premierminister des Staates Israel hierher zurückzukehren, und das gemeinsam
mit einer Delegation von Ministern eines unabhängigen jüdischen Staates, ist
ein historischer Moment.
Diese Gespräche hier, diesen Meinungsaustausch im Sinne der Zusammenarbeit
mit der Regierung eines wiederaufgebauten Deutschlands zu unterhalten – das
ist auch von historischer Bedeutung. Deutschland hat nicht einen Moment
gezögert, sich den dunkelsten Kapiteln seiner Vergangenheit zu stellen, um
eine bessere Zukunft für die deutsche Bevölkerung, aber auch für die Welt
insgesamt zu bauen. Das verlangt sehr viel Ehrlichkeit, es verlangt
Integrität, und diese Integrität haben Sie, Frau Bundeskanzlerin, immer
wieder bewiesen, diese Klarheit, diesen Mut haben Sie immer wieder gezeigt.
Ich denke, das ist auch ein klarer Beweis dafür, dass Deutschland eine klare
Richtung eingeschlagen hat, und das unter einer ganzen Reihe von Regierungen
und jetzt natürlich vor allen Dingen unter Ihrer politischen Führung. Das
ist etwas, was wir sehr zu schätzen wissen, und etwas, was, so denke ich,
von größter historischer Bedeutung ist.
Von den vielen Dingen, die wir heute hier erörtert haben, im Bereich der
Wirtschaft, im Bereich der Technologie, der Umwelt, der Energie, der
Infrastruktur, möchte ich zwei Dinge hervorheben.
Zunächst einmal müssen wir den Frieden weiter vorantreiben. Ich denke, es
ist wirklich an der Zeit, dass wir aufhören, über Friedensverhandlungen zu
verhandeln. Wir sollten jetzt wirklich einmal mit dem Verhandlungsprozess
anfangen. Wir sollten aufhören, über Friedensverhandlungen zu sprechen. Wir
sollten Frieden jetzt auch wirklich besprechen. Ich bin bereit dazu. Ich
hoffe, dass die Palästinenser ihrerseits diese Bereitschaft deutlich
dokumentieren.
Der zweite Punkt betrifft den Iran. Das wahre Gesicht dieses Regimes hat
sich in dem gerade vergangenen Jahr gezeigt. Es ist ein Regime, das die
eigene Bevölkerung tyrannisiert. Wir wissen aus der jüngsten Geschichte,
dass ein Regime, das die eigenen Leute tyrannisiert, ziemlich bald auch die
Welt insgesamt tyrannisieren wird. Ich denke, das Bild dieser jungen Frau,
Neda, die in ihrem eigenen Blut auf dem Bürgersteig erstickt ist, hat uns
mehr über die Art und die Natur dieses Regimes gezeigt und besser deutlich
gemacht, warum es auf gar keinen Fall in den Besitz von Nuklearwaffen
gelangen darf, als tausend Reden, die ich irgendwo halten könnte. Ich glaube,
ein Regime, das deutlich macht, dass es keine Homosexuellen gibt, und dann
die, die es findet, sozusagen an einem öffentlichen Platz aufhängt, mit
unbegrenzter Brutalität handelt und auch Terroristen finanziell fördert, ist
ein Regime, das keine Nuklearwaffen haben darf.
Ich glaube, in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts werden wir als
internationale Gemeinschaft zeigen müssen, dass wir entschlossen handeln
können und wollen. Ich habe in unseren Gesprächen einen hebräischen
Gelehrten von vor 2.000 Jahren, Hillel, den Älteren, zitiert. Er hat gefragt:
Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich sage: Wenn wir nicht jetzt Sanktionen
verhängen, und zwar harten Sanktionen, die auch wirklich etwas gegen die
iranische Tyrannei bewirken, wann denn dann? Wenn nicht jetzt, wann dann?
Die Antwort ist: Jetzt. - Vielen Dank.
Frage: Frau Bundeskanzlerin, mit Ihrer Erlaubnis: Sie sprechen sehr hart
über den Iran. Trotzdem hat Ihr Staat mit dem Iran sehr große
Handelsbeziehungen. Wie passt das zusammen, wenn man auf der einen Seite
über Sanktionen redet und auf der anderen Seite Handelsbeziehungen führt?
Herr Netanyahu, können Sie uns etwas zur Anklage gegen Ihre Frau sagen?
Können Sie uns sagen, wer diese politischen Machenschaften hinter den
Kulissen führt? Wer ist eigentlich dafür zuständig?
BK'in Merkel: Ich glaube, dass wir genau deshalb über Sanktionen verhandeln,
weil es heute Handel mit dem Iran gibt. Wenn man keinen Handel mit dem Iran
hätte, bräuchte man auch keine Sanktionen durchzuführen. Wenn Sie sich
anschauen, wie sich die deutsche Wirtschaft verhält, so sind die
Handelsbeziehungen im Zuge der erwarteten oder möglichen Sanktionen durchaus
verändert. Man will genau einen Effekt erzielen. Das heißt, man greift in
den bestehenden Handel ein und will ihn um bestimmte Güter reduzieren, die
den Iran besonders hart treffen.
Es ist für Deutschland gerade so wichtig, dass es sich mit diesen Sanktionen
befasst, weil wir historisch, als der Iran noch nicht diese Gefahr bezüglich
seines Nuklearprogramms dargestellt hat, mit dem Iran vernünftige
Beziehungen hatten. Deshalb hat Deutschland immer wieder gesagt: Wenn es im
Iran zu einer vernünftigen Transparenz kommt, würden wir gerne einen anderen
Weg beschreiten. Aber jetzt sind wir bereit, gerade den Weg der Sanktionen
zu gehen.
PM Netanyahu: Wenn ein Mann eine Person des öffentlichen Lebens wird, muss
er damit leben, dass er attackiert wird. Das ist klar. Ich glaube aber auch,
dass er erwarten kann, dass es eine gewisse Grenze geben muss. Die Familie
muss nicht in dieser Feuerlinie stehen. Deswegen möchte ich hier erst einmal
meine Einschätzung gegenüber all den Journalisten abgeben, die nicht an
dieser ungezügelten Attacke teilgenommen haben, die stattgefunden hat.
Zweifellos wird die Wahrheit über diese ganze Geschichte bald herauskommen.
Ich bitte aber um eine Sache. Ich will hier etwas erklären: Meine Frau Sara
hat mit den Staatsangelegenheiten nichts zu tun. Es ist absurd, so etwas
festzustellen. Aber es gibt einen Bereich, wo sie Einfluss auf mich hat: Sie
sagt mir: "Höre auf Deinen Nächsten. Du sollst darauf hören, was die Alten,
die Holocaust-Überlebenden und die Kinder sagen." Das sagt sie mir. Sie
sagt: "Sei ein besserer Vater. Sei ein besserer Sohn. Sei ein besserer
Freund." Das sagt sie, und in dem Bereich hat sie Einfluss auf mich. Ich
glaube, dass sie mir wirklich hilft, sensibler zu sein und ein menschlicher
Ministerpräsident zu sein. Ich stehe für all diese Unterstützung in ihrer
Schuld, die sie mir während der letzten Jahre immer gewährt hat. Natürlich
hat sie einen hohen Preis dafür bezahlt - und sie bezahlt ihn immer noch -,
dass sie neben mir steht.
Ich kann nur hoffen, dass meine Gegner - einschließlich derjenigen, die mich
aus ganz komischen Gründen so attackieren - auch fair sein werden. Ich sage
ihnen jetzt: Lasst mich das (erklären), aber lasst bitte meine Frau und
meine Kinder in Ruhe.
Frage: Frau Bundeskanzlerin, haben Sie möglicherweise den Wunsch von Amnesty
International und anderen erfüllt, auch über die Blockade des Gazagebiets
beziehungsweise auch über die ausgebliebenen Untersuchungen möglicher
Kriegsverbrechen von Hamas und Israel zu sprechen? Ist das thematisiert
worden?
Es soll ja auch über Rüstungskooperationen und die Lieferung weiterer
Kriegsgüter gesprochen worden sein. Ist das kompatibel mit dem Gebot, gerade
hier in Deutschland solche Waren nicht in Krisengebiete zu liefern?
Herr Ministerpräsident, es gibt vom früheren Botschafter Israels in
Deutschland, von Avi Primor, den Vorschlag, am Tag X, wenn Frieden herrscht,
europäische Friedenstruppen inklusive der Bundeswehr in die jetzt besetzten
Gebiete zur Überwachung zu schicken. Sind Sie damit einverstanden?
BK'in Merkel: Wir haben natürlich den gesamten Bereich der Kooperation
besprochen und uns dabei sehr auf die möglichen Friedensverhandlungen
konzentriert. Das beinhaltete, wie ich schon sagte, durchaus auch kritische
Anmerkungen, was die Frage des Siedlungsbaus anbelangt - wenngleich es
hierbei auch immer sehr wichtig ist, im Vergleich zu bleiben und zu hören,
wie die israelische Seite dies sieht. Wir haben heute aber nicht spezifisch
über diese Fragen gesprochen.
Was die Rüstungskooperation anbelangt, gibt es, glaube ich, durchaus schon
lange die Tradition, dass unser Einstehen nicht nur für das Existenzrecht,
sondern auch für die sichere Zukunft Israels Rüstungskooperationen nicht
ausschließt.
PM Netanyahu: Zunächst möchte ich deutlich machen, dass wir keine
Vorbedingungen an den Beginn von Friedensverhandlungen knüpfen. Der Friede
an sich ist wichtig genug, sodass man keine Vorbedingungen stellen sollte.
Die palästinensische Seite spricht immer wieder Besorgnisse hinsichtlich der
wichtigen Fragen an, und wir wollen dann dasselbe tun.
Eines der Themen, die wir im Verlaufe der Verhandlungen angehen müssen, ist
die Frage der effizienten Entmilitarisierung des zukünftigen
palästinensischen Staates. Als ein Land, das kleiner als Belgien ist,
(mussten wir) in jüngster Vergangenheit die Erfahrung machen, (wie es ist,
wenn) über uns 12.000 Raketen abgeschossen werden. Wie gesagt, unser Land
ist deutlich kleiner als Belgien, und jetzt werden Zehntausende solcher
Raketen im Libanon und im Gazagebiet angehäuft. Die Frage, wie wir eine
effektive Entmilitarisierung des zukünftigen palästinensischen Staates
durchführen wollen, ist daher natürlich eine Frage, die uns sehr bewegt und
die wichtig ist für einen dauerhaften Frieden.
Wir haben uns vom Thema Libanon abgewandt, und dann gab es dort eine
iranische Enklave. Wir haben uns von Gaza abgewandt, und jetzt gibt es dort
eine iranische Enklave und eine Raketenbasis. Von dort aus sind wir
angegriffen worden und haben uns dem Raketenbeschuss ausgesetzt gesehen. Wir
wollen dasselbe nun im Falle der West Bank nicht wieder tun. Wir wollen
nicht eine dritte iranische Basis erleben. Das heißt, wir müssen
sicherstellen, dass diese Gebiete nicht von Terroristen mit
Raketengeschossen, die sich auf uns beziehungsweise gegen uns richten,
besetzt werden. Das setzt voraus, dass eine echte, effiziente
Entmilitarisierung vorgenommen wird.
Wir haben nie darum gebeten und werden es auch nicht tun, dass Truppen aus
anderen Ländern - Amerikaner oder Deutsche - das Leben der Israelis
schützen. Das brauchen wir nicht. Wir glauben, dass wir das aus eigener
Kraft sicherstellen können und dass wir in der Lage sind, uns zu verteidigen
und dann auch den Frieden zu verteidigen. Dies ist also keine Bitte, die
meinerseits an die Bundesregierung herangetragen worden wäre. Darüber haben
wir heute auch nicht gesprochen.
Frage: Heute ist ein wichtiger Tag. Zum ersten Mal finden
Regierungskonsultationen in Berlin statt. Darf ich dennoch eine Frage zu
einem Datum in zwei Tagen stellen, der einjährigen Amtszeit des
amerikanischen Präsidenten? Ist er stark genug, um die Welt anzuführen? Wie
sehen Sie beide das, Frau Bundeskanzlerin, Herr Ministerpräsident?
BK'in Merkel: Ich kann das - wir haben heute lange darüber gesprochen - ganz
einfach sagen: Ohne die Vereinigten Staaten von Amerika und eine führende
Rolle, die sie, glaube ich, auch einnehmen wollen, wird es sehr schwer sein,
den Friedensprozess im Nahen Osten in Gang zu bringen. Natürlich müssen die
beiden Seiten ihren Beitrag leisten, aber wir brauchen Amerika. Ich wünsche
Präsident Obama und der amerikanischen Administration viel Erfolg, und wo
wir helfen können, werden wir helfen.
PM Netanyahu: Meine Antwort lautet wie folgt: Ja! Ja, der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika ist stark genug, und Amerika ist stark
genug, diese Führungsrolle in der Welt zu übernehmen. Wir erwarten es von
ihm.
Frage: Frau Bundeskanzlerin, gestatten Sie noch eine innenpolitische Frage?
BK'in Merkel: Okay, wir sind hier heute einmal tolerant. Es fragt ja jeder,
was er will. Also, bitte schön!
PM Netanyahu: Das begleitet mich, und es begleitet Sie!
Zusatzfrage: Gestern wurden Gespräche mit der CSU und der FDP geführt. Jetzt
kommen vonseiten der FDP Kommentare dazu, dass Steuersenkungen in Höhe von
24 Milliarden Euro verabredet worden seien. Wie sehen Sie das aus Ihrer
Position?
BK'in Merkel: Wir haben gestern ganz klar gesagt: Wir haben eine
Steuerstrukturreform verabredet. Die werden wir durchführen. Dazu werden die
Einzelheiten im Lichte der Wirtschaftsdaten, der Wachstumsdaten und der
Steuerschätzung im Mai verabredet werden, also danach, und dann auch
entschieden werden. Wir stehen auch zu den Verabredungen im Zusammenhang mit
dem Bildungspakt. Wir werden all das natürlich auf der Grundlage der
geltenden Schuldenbremse, die wir im Grundgesetz verankert haben,
durchführen. Das heißt, die Haushaltskonsolidierung ist auch gegeben.
Ich will nur darauf hinweisen, dass im Rahmen des
Wachstumsbeschleunigungsgesetzes – bei einem Volumen von 24 Milliarden Euro,
die in der Koalitionsvereinbarung stehen – durch die Familienentlastungen
bereits Entlastungen in Höhe von 4,6 Milliarden Euro realisiert sind. Das
heißt, es bleibt noch ein Volumen von 19,4 Milliarden Euro übrig.
