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Gefängnis-Schlaflied
Maria Terentyeva (1906-1994)
Früh morgens, in der Morgendämmerung,
kommt der Soldat,
die Kinder stehen für den Appell auf,
die Sonne funkelt.
Ein schmaler Strahl bahnt sich seinen Weg
durch die hohe Leinwand,
der kleine Strahl erreicht
das eingesperrte Kind.
Aber die dunkle Behausung
wird nicht heller.
Wer wird das Leuchten
auf deinen kleinen Wangen zurückbringen, meine kleine Sonne?
Hinter den Gittern, hinter den Schlössern,
sind Tage wie Jahre.
Die Kinder weinen. Sogar die Mamis
weinen manchmal.
Aber der Wärter wechselt,
das Herz wird hart.
Mein Junge, glaub nicht,
dein Vater sei ein Verräter.
1938
Uhrenturm des Butyrki Gefängnisses.
(Aus „Geschrieben im Gefängnis.
XX. Jahrhundert. Russland“) Zweisprachige Ausgabe – Russisch/Englisch
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